Chronistische Versuche In Miersdorf und Zeuthen
Bereits in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts bemühten sich Lehrer um die Ausarbeitung einer Chronik von Miersdorf. Die Lehrer Botzelmann und andere erarbeiteten umfangreiches Material auf der Grundlage von intensiven wissenschaftlichen Forschungen, das leider nur noch bruchstückweise vorhanden ist. Sie gestalteten z. B. Urkunden aus dem 15. und 16. Jahrhundert, deren Kopien heute noch vorhanden sind.
Neben der Gründungsurkunde wurde bei der Grundsteinlegung der Kirche in Zeuthen eine "Geschichte der Gemeinde Zeuthen" im Altarfundament versenkt. (Eine Abschrift liegt im Ortsarchiv).
Nach dem ersten Weltkrieg hat sich der Postmeister Kneisel sehr verdient gemacht, indem er nicht nur die Geschichte des Postamtes beschrieb, sondern auch eine kurze Chronik des Ortes Zeuthen anfügte. Auch dieses Material ist nicht vollständig.
Nach dem zweiten Weltkrieg fanden sich interessierte Bürger, die die Geschichte von Zeuthen/Miersdorf aufarbeiten wollten. Vielleicht angeregt durch den Lehrer Möhring aus Mittenwalde, der intensives Quellenstudium betrieb und einigen Gemeinden des Kreises Teltow/Königs Wuster-hausen Material zukommen ließ. Leider hat er es versäumt, seine Quellen auch exakt zu benennen.
Es entstanden erste Zusammenstellungen der historischen Entwicklung, die als Material im Ortsarchiv vorliegen. Aber auch diese Ausarbeitungen sind ohne Quellennachweis und ohne Verfasserangabe.
Schließlich leitete Herr Fritz Ollendorf eine systematische Arbeit an der Ortschronik ein. Er recherchierte in den fünfziger Jahren und versicherte sich der Mitarbeit von Herrn Heiß, Herrn Oswin Großöhmigen, Herrn Hans Elwert und dem Apotheker Heine.
Im Jahr 1959 hat dieses Exemplar vorgelegen, denn ehemalige Schüler erinnern sich, eine gut ausgestaltete Chronik in dieser Zeit eingesehen zu haben.
In den folgenden Jahren wurde sie wahrscheinlich ausgeliehen und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht.
Erst im Jahr 1988 fanden Mitarbeiter der Arbeitsgruppe einen unvollständigen Durchschlag, der vielleicht als Rohmaterial diente, denn es liegen handschriftliche Aufzeichnungen dabei, aber es fehlen die bekannten Bilder.
Auch bei diesem Material sind die Quellen nicht benannt, so daß unklar ist, inwieweit zum Beispiel der historische Teil von früheren chronistischen Versuchen entlehnt wurde. Auffallend ist unter anderem, daß stets - wie bei früheren Ausarbeitungen - von einem 'Schloßregister' geschrieben wird, während es 'Schoßregister' (Abgaben- oder Steuerregister) heißen muß.
In den siebziger Jahren versuchte Bernd Fischer die Ausarbeitung einer Chronik. Als Bodendenkmalpfleger und Zeichner des Märkischen Museums in Berlin ging er mit wissenschaftlicher Akribie an die Arbeit und nannte die Quellen seiner Forschung. Besonders wertvoll sind seine Zeichnungen von Fundstücken und von alten Straßenzügen und Gebäuden.
Zur gleichen Zeit beschäftigten sich Junge Historiker" an beiden Schulen mit der Erforschung der Geschichte ihres Heimatortes, vor allem mit der Entwicklung der Arbeiterbewegung und ihrer Parteien. Hier leistete die Schule Miersdorf unter Leitung des Lehrers Herbert Doil gute Arbeit, so daß eine ansehnliche Sammlung von Bild- und Wortdokumenten vorliegt.
Dagegen findet sich in der Zeuthener Gesamtschule Paul Dessau nur wenig historisches Material bis auf die Chronik in der Festschrift zur Einweihung der Schule im Jahr 1932.
Die Erfassung beginnt erst mit der Namensgebung. Wenn es frühere Ansätze gegeben haben sollte, sind sie bis heute nicht auffindbar.
In Zeuthen und Miersdorf gibt es einige Institutionen, die ihre eigene Entwicklung kontinuierlich fixiert haben, dazu gehören die Freiwillige Feuerwehr, der Männerchor, das Institut DESY-lfH, die Segel- und Yachtklubs und der Fontanekreis unter der Leitung von Dr. Joachim Kleine, der sich besonders um die Fontaneforschung bemüht.
Es bestanden oder bestehen aber ca. 60 Organisationen, Vereine, Verbände, Betriebe, Institutionen und Einrichtungen, die das Leben in der Gemeinde mehr oder weniger prägten, deren Entwicklung und Bedeutung aber zur Zeit nur sporadisch erfaßt ist.
Aus diesem Grunde wurde die Chronik als Sammelwerk begonnen, das ständig erweitert und ergänzt werden kann.
Im Jahr 1993 entschlossen sich die Chronisten, Teile der Gesamtchronik zum Druck vorzubereiten, obwohl ihnen klar ist, daß noch umfangreiche Abschnitte erforscht und erarbeitet werden müssen, so die Zeit der Besiedlung und Parzellierung (zwanziger und dreißiger Jahre), die Zeit von 1933 bis 1945, die Nachkriegsentwicklung bis 1989 und die neueste Zeit.
Zahlreiche Bürger Zeuthens haben inzwischen ihr Interesse an der Chronik bewiesen, indem sie den Chronisten Material zur Verfügung stellten, alte Postkarten, Fotografien, Plakate, Urkunden und Erinnerungen. Ihnen allen sei gedankt. Besonders Frau Tosch, Frau Ellinor Schulz, Herrn Bernd Fischer, Herrn Schindler, Frau Schüley und Frau Meyer, Herrn Leitmann, Herrn Großöhmigen, Herrn Tischler, Herrn Caesar, Familie Friedenberger, Herrn Rühle, Herrn Peter Hein und zahlreichen interessierten Bürgern.
Das chronistische Material wird ergänzt durch Bilder und Fotografien, durch Tabellen und Statistiken, durch Zeichnungen und Karten, durch Kopien von Dokumenten.
Ein Registerteil enthält die Namen von Straßen, Ortsteilen und Flurnamen, ein Quellen- und Namensverzeichnis.
Das Sammelwerk bleibt für weiteres Material offen und ist Teil des Ortsarchivs der Chronisten.
